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Vorwort zur zweiten Auflage

Seit Inkrafttreten der Verordnung (EWG) 2092/91 über den ökologischen Landbau und die entsprechende Kennzeichnung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel im Jahre 1991 hat die Bedeutung der Erzeugnisse aus dieser Wirtschaftsweise nicht unbeträchtlich zugenommen. Dies und die Erfahrungen bei der Anwendung dieser Verordnung haben den Gesetzgeber der Gemeinschaft 2006 veranlasst, den Vorschriften für das Erzeugen, Verarbeiten und Inverkehrbringen von unverarbeiteten Agrarerzeugnissen, Lebensmitteln, Futtermitteln und einigen weiteren Erzeugnissen nach ökologischer Wirtschaftsweise einen neuen Rahmen zu geben, zumal die Verordnung (EWG) 2092/91 mehrfach geändert und durch Ausführungsvorschriften ergänzt worden war. Dies führte zu der jetzt geltenden Verordnung (EG) 834/2007 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen vom 28.6.2007. Leider galt trotz der erwähnten Erfahrungen auch für diese Gesetzgebung der Gemeinschaft, dass bestimmte Bereiche ganz oder teilweise ungeregelt blieben, so dass die Praxis trotz Weitergeltung zahlreicher Vorschriften aus der Verordnung (EWG) 2092/91 und der darauf bezogenen Durchführungsvorschriften nicht unerhebliche Schwierigkeiten hatte. Die Verordnung (EG) 889/2008 mit Durchführungsvorschriften zu der Verordnung (EG) 834/2007 folgte dieser Verordnung erst nach mehr als einem Jahr und war zudem ebenfalls noch unvollständig; sie ist erst durch die Verordnung (EG) 710/2009 durch wichtige Vorschriften ergänzt worden.

Diesen Umständen entsprechend war es nicht möglich, die zweite Auflage dieses Buches unmittelbar nach Inkrafttreten der neuen ÖkoV, der Verordnung (EG) 834/2008 vorzulegen. Es wären erhebliche Lücken geblieben, die den Benutzern des Buches nicht zumutbar waren. Auch im Zeitpunkt der Drucklegung dieser zweiten Auflage - unter dem beibehaltenem Titel ökologischer Landbau und Bioprodukte - sind noch nicht alle Bereiche der ökologischen Produktion (so die jetzige Bezeichnung) geregelt. Es handelt sich dabei jedoch um Bereiche, die nicht im traditionellen Zentrum der ökologischen Wirtschaftsweise liegen und die deshalb - auch aus Gründen des verfügbaren Umfangs - hier nicht behandelt werden sollen.

Die jetzt vorgelegte zweite Auflage knüpft inhaltlich an die erste Auflage an, allerdings mit einigen Änderungen. Im wesentlichen übernommen - und selbstverständlich aktualisiert - wurde Teil 1 mit der Einführung; damit soll dem Benutzer des Buches die Möglichkeit gegeben werden, sich in die allgemeinen Regeln der ökologischen Produktion einzulesen, um dann die Behandlung der ihn interessierenden speziellen Regeln in Teil 3 besser verstehen zu können. Diese Einführung ist auch weiterhin für interessierte Laien gedacht, obgleich das Buch nunmehr, und auch dies weicht von der ersten Auflage ab, in erster Linie als Fachbuch konzipiert ist. Dazu gehört selbstverständlich, dass auch die Entstehung der einschlägigen Vorschriften dargestellt wird; dies geschieht in Teil 2.

Die Darstellung der rechtlichen und praktischen Aspekte der ökologischen Produktion enthält Teil 3. Dabei wurden - gleichfalls abweichend von der ersten Auflage - die praktischen und rechtlichen Erläuterungen ineinander integriert und damit, wie die Verfasser meinen, die Nutzung dieser Erläuterungen vereinfacht. Dem Nutzer ist es möglich, gezielt zu seinen speziellen Fragen Erläuterungen zu finden. Die Darstellung folgt im wesentlichen der Reihenfolge, die durch die Titel und Kapitel der ÖkoV vorgegeben ist. Das Buch ist jedoch im Hinblick auf die starke Einbeziehung praktischer Aspekte nicht als juristischer Kommentar, sondern als Anleitung zum Verständnis der Regeln für die ökologische Produktion zu verstehen und es wendet sich deshalb gleichermaßen an Berater, Praktiker und Juristen.
Nicht in die Erläuterungen einbezogen wurden mit Ausnahme der ökologischen Teichwirtschaft die Vorschriften für Aquakulturen; jedoch wurden die wichtigsten Vorschriften abgedruckt.

Auf eine Darstellung der Geschichte des Ackerbaus und der weltanschaulich geprägten Vorstellungen im 19. Jahrhundert, die in der ersten Auflage enthalten war, wurde verzichtet. Ebenso wurde aus Gründen des Umfangs auf die Selbstdarstellung von Verbänden des ökologischen Landbaus verzichtet.
Die Verfasser planen, die bereits erwähnten Lücken, die auch nach der jetzigen Gesetzeslage bestehen, durch ergänzende Ausführungen zu schließen, die in das Internet gestellt werden. Damit besteht auch die Möglichkeit, auf Änderungen der Vorschriften hinzuweisen; denn es muss wohl davon ausgegangen werden, dass der Gesetzgeber der Gemeinschaft auch weiterhin laufend seine Vorschriften ändert. Etwaige Ergänzungen und Aktualisierung der einschlägigen Vorschriften sind hier zu finden.

Im November 2009
Kurt-Dietrich Rathke
Dr. Heinz-Joachim Kopp
Dietmar Betz

 

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